Schwabe

«Als regne es hier nie ...»


«Als regne es hier nie ...» («Als regne es hier nie ...»)
Susanne Bieri / Graphische Sammlung Schweizerische Landesbibliothek (Hrsg.)

«Als regne es hier nie ...»
Susanne Bieri (Hrsg.)
«Als regne es hier nie ...»
Bände 1-5 im Schuber
Mit Beiträgen von Ulrich Schenk (Schweizer Kleinmeister / Petits maîtres suisses), Sylvie Henguely (Fotografien / Photographies), Barbara Piatti (Ansichtskarten / Cartes Postales), Anne Pastori Zumbach (Plakate / Affiches), Susanne Bieri und Marco Schibi.
2003. In 5 Teilbänden. 720 Seiten. Broschiert im Schuber.
sFr. 140.- / € (D) 140.- / € (A) 144.-
ISBN 978-3-7965-2030-3
«Als regne es hier nie ...»140.00


«Die Schweiz ist allerdings ein lachendes Paradies, ein wahres Idyllenland an den Ufern der Seen und Flüsse, zumal bey schönem Wetter. Man möchte leicht den Schluss ziehen, als regne es hier nie.»So das Fazit des fiktiven «Kunstgesprächs in der Alphütte», das der Schweizer Schriftsteller und Kunstkritiker David Hess 1822 als Negativurteil über die Schweizer Kleinmeisterkunst veröffentlichte.

«Als regne es hier nie » dient als Titel und Leitmotiv der fünfteiligen Publikation, die der Wahrnehmung und Wiedergabe von Landschaft und der Entwicklungsgeschichte ihrer «Verwertung» in Ansichten der letzten beiden Jahrhunderte in den Medien Schweizer Kleinmeistermalerei, Fotografie, Ansichtskarte und Plakat gewidmet ist. Das Zitat ist ein treffender Kommentar der genannten Bildproduktion des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts und fasst zugleich die leise Skepsis der dargestellten Idylle gegenüber in Worte. Obwohl der minutiös gemalte Detailreichtum und die kaum merklich idealisierenden Überzeichnungen faszinieren, irritieren die immer wiederkehrenden Genreszenen in der für die Schweizer Kunst so bedeutsamen Landschaftsmalerei der Kleinmeister: Auf den ersten Blick haben wir es mit gefälligen, spannungslosen Landschafskompositionen zu tun. Die vorgefundene Idealisierung lässt sich weiterverfolgen in Fotografien und Ansichtskarten bis hin zu den Propagandabildern der Plakatgestalter des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Die Auseinandersetzung mit dieser, etwas pointiert ausgedrückt, Schematisierung und dem unglaubwürdigen steten Sonnenschein in all diesen Bildern fragt immer auch nach zeitgenössischer Sehweise, Gebrauchskontext und wirtschaftlicher Bedeutung.

Ausgangspunkt der fünfteiligen Publikation ist die Schweizer Kleinmeister-Aquarellfolge «De Bâle aux sources du Rhin» mit ihren 22 Ansichten verschiedener Rheingegenden, eine Schenkung der Stiftung Graphica Helvetica an die «Sammlung R. und A. Gugelmann». Aus deren Beständen stammt die Mehrzahl des untersuchten Materials, anhand deren eine Genealogie der schweizerischen Landschaftsdarstellung von der Zeit um 1800 bis heute nachgezeichnet wird. Das Foto-Portfolio Voyage pittoresque 1999-2003 von Marco Schibig, ergänzt die traditionsbehaftete Thematik aus aktueller fotografischer Sicht.

Die Aquarelle (um 1820) sind exzellente Beispiele für die Behandlung des Themas «Rhein» durch die Kleinmeister. Doch die Graphische Sammlung führte die Idee weiter: Das Kamera-Auge der Fotografen und die Pinsel und Federn der Plakatgestalter haben ebenso interessante und überraschende Ausblicke auf verschiedene markante Flussstrecken hervorgebracht. Eine Überprüfung der künstlerischen Wirklichkeit am Objekt selbst, am heutigen Lauf des Rheins auf Schweizer Boden, drängte sich gewissermassen auf.

In der doppelten Erscheinungsform von Ausstellung und Publikation ist «Als regne es hier nie » eine Hommage an die Schweizer Landschaft. Kein Zweifel, dass die fünf Bände einzeln und zusammen das Auge von Betrachter und Leserin für den Gegenstand und seine künstlerische Wiedergabe zu öffnen, zu schärfen, neu einzustellen vermögen.
Der Rhein spielt für die Topografie, die Geschichte, die Politik, die Wirtschaft unseres Landes eine herausragende Rolle. Lange Zeit war er eine der Hauptverbindungen der Schweiz mit Europa und der Welt, von Europa und der Welt mit uns.  

Die Herausgeberin:

Susanne Bieri, geb. 1960, lebt in Bern. Sie studierte Kunstgeschichte, Architekturgeschichte/Denkmalpflege und Religionsgeschichte an den Universitäten Bern und Genf. Seit 1995 ist sie Leiterin der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Landesbibliothek.  

Zu diesem Titel ist kein Pressestimmentext verfügbar.

Warenkorb leer