Schwabe

Buchkritik als Kulturkritik


Jacob Burckhardt-Gespräche auf Castelen (JB-Gespräche)

JB-Gespräche
28: Michael Hagner
Buchkritik als Kulturkritik
2014. 56 Seiten. Broschiert.
sFr. 14.- / € (D) 14.- / € (A) 14.50
ISBN 978-3-7965-3315-0
Buchkritik als Kulturkritik14.00


Plädoyer für das gedruckte Buch

In diesem Essay wird die These vertreten, dass die in den letzten Jahren deutlich vernehmbare Kritik am gedruckten Buch Beispiel für eine Form von Kulturkritik ist, die ihr Unbehagen an der Gegenwart nicht durch Sehnsucht nach der «guten alten Zeit» artikuliert, sondern durch eine Heilserwartung, die sich ganz den technischen Möglichkeiten des Digitalen anheimgibt. Das Buch steht stellvertretend für eine ganze Palette von wissenschaftlichen und kulturellen Verhaltensweisen, die als Hemmschuh bei der Durchsetzung der digitalen Wissenskultur angesehen werden. Anstatt die unterschiedlichen Stärken von Papier und Digitalis hervorzuheben und zu fragen, wo mögliche Synergien liegen könnten, wird ein rivalisierender Gegensatz zwischen beiden postuliert, der eine Entscheidung verlangt. Hagner bettet diese Buchkritik als Kulturkritik in eine längere Tradition der Kritik am Buch ein, in der ähnliche Verhaltens- und Argumentationsmuster immer wiederkehren. Der Essay endet mit einem kurzen, leidenschaftlichen Plädoyer für das gedruckte Buch.  

Michael Hagner, geb. 1960, ist Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich. In seiner Forschung befasst er sich mit der Geschichte der Hirnforschung und ihrer Bedeutung innerhalb der Wissenschaften vom Menschen, mit der Rolle der Bilder in den Wissenschaften und neuerdings mit der Geschichte des wissenschaftlichen Buches. Für seine Arbeiten wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung (2008). Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören Homo cerebralis. Der Wandel vom Seelenorgan zum Gehirn (1997), Der Geist bei der Arbeit. Histo rische Untersuchungen zur Hirnforschung (2006) und Der Hauslehrer. Die Geschichte eines Kriminalfalls. Erziehung, Sexualität und Medien um 1900 (2010).    

"In ihm finden sich die grundlegenden Überlegungen zum Verhältnis Print versus Digitalisierung gebündelt. Wie in der daraus entwickelten Buchfassung erweist sich Michael Hagner darin als kluger Beobachter, der aus einer nicht verhehlten Position neugierig abwägt und sich dem Neuen in keiner Weise verschliesst." literaturkritik.de, Beat Mazenauer, 26. Mai 2015